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Vergleichswertverfahren: Hauswert aus echten Kaufpreisen

Das Vergleichswertverfahren nach §§ 24 bis 26 ImmoWertV leitet den Wert aus tatsächlich gezahlten Kaufpreisen ähnlicher Objekte ab. Wie die Anpassung funktioniert, woher die Daten kommen und wo die Grenzen liegen.

Veröffentlicht · Aktualisiert · Lesedauer ca. 10 Min.

Kurzantwort

Das Vergleichswertverfahren beantwortet eine einfache Frage: Was haben Käufer zuletzt für vergleichbare Objekte tatsächlich bezahlt? Aus einer ausreichenden Zahl geeigneter Vergleichspreise wird ein Mittelwert gebildet und um die Unterschiede zum bewerteten Objekt bereinigt. Geregelt ist es in den Paragrafen 24 bis 26 der Immobilienwertermittlungsverordnung.

Wenn genügend Daten vorhanden sind, ist es das aussagekräftigste der drei Verfahren, weil es direkt am Markt ansetzt statt an Baukosten oder Mieten.

Wann funktioniert das Verfahren und wann nicht?

VoraussetzungWarum sie zählt
Ausreichend viele VergleichsfälleEinzelne Verkäufe sind zufällig, erst die Menge glättet Ausreißer
Strukturelle ÄhnlichkeitGleiche Objektart, ähnliche Größe, ähnliche Baujahrsklasse
Zeitliche NäheDer Markt verschiebt sich, ältere Fälle müssen indexiert werden
Homogene LageEin Straßenzug weiter kann eine andere Bodenrichtwertzone beginnen

Gut geeignet sind Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern, Reihenhäuser aus einer Bauserie und unbebaute Baugrundstücke. Schlecht geeignet sind Architektenhäuser, denkmalgeschützte Objekte, Hofstellen und alles, wovon es in der Region nur eine Handvoll gibt. Dort greift das Sachwertverfahren.

Woher kommen die Daten?

Die Datenquelle ist gesetzlich organisiert und in Deutschland erstaunlich gut. Paragraf 195 Baugesetzbuch verpflichtet jeden Notar, eine Abschrift jedes beurkundeten Kaufvertrags an den zuständigen Gutachterausschuss zu senden. Dort entsteht die Kaufpreissammlung, die Grundlage für Bodenrichtwerte, Vergleichsfaktoren, Sachwertfaktoren und Liegenschaftszinssätze.

Drei Zugangswege stehen offen:

  1. Grundstücksmarktbericht des Gutachterausschusses, mit aggregierten Auswertungen. Meist kostenlos oder für wenige Euro.
  2. Auskunft aus der Kaufpreissammlung auf Antrag. Bei berechtigtem Interesse, in der Regel kostenpflichtig, ohne Namen und Adressen.
  3. Vergleichsfaktoren und Umrechnungskoeffizienten aus dem Marktbericht, mit denen Sie selbst rechnen können.

Mehr dazu unter Gutachterausschuss und Kaufpreissammlung.

Nicht geeignet sind Angebotspreise aus Immobilienportalen. Sie zeigen, was Verkäufer fordern, nicht was gezahlt wurde. Die Differenz liegt je nach Marktlage im mittleren einstelligen bis zweistelligen Prozentbereich.

Die sechs Rechenschritte

  1. Vergleichsobjekte auswählen. Gleiche Objektart, vergleichbare Lage, ähnliche Größe, Verkäufe möglichst aus den letzten ein bis zwei Jahren.
  2. Ausreißer und Sonderfälle aussortieren. Verwandtenverkäufe, Zwangsversteigerungen und Notverkäufe fallen heraus, weil sie keinen gewöhnlichen Geschäftsverkehr abbilden.
  3. Zeitlich anpassen. Ältere Fälle werden mit den Indexreihen des Gutachterausschusses auf den Stichtag umgerechnet.
  4. Objektmerkmale anpassen. Unterschiede bei Wohnfläche, Baujahr, Ausstattung, Stockwerk, Garten oder Stellplatz werden mit Umrechnungskoeffizienten oder Zu- und Abschlägen ausgeglichen.
  5. Mittelwert bilden. In der Praxis oft der Median, weil er unempfindlicher gegen Ausreißer ist als das arithmetische Mittel.
  6. Besondere objektspezifische Merkmale berücksichtigen. Sanierungsstau, Baulasten, Wohnrecht, Denkmalschutz oder Altlasten werden erst am Ende abgezogen oder hinzugerechnet.

Rechenbeispiel: Reihenmittelhaus

Gesucht ist der Wert eines Reihenmittelhauses mit 118 Quadratmetern Wohnfläche, Baujahr 1998, guter Zustand, kleiner Garten, ein Stellplatz. Alle Werte dienen der Veranschaulichung.

FallVerkaufsjahrWohnflächeKaufpreisPreis je m²
A2025112 m²392.000 Euro3.500 Euro
B2025124 m²446.400 Euro3.600 Euro
C2024118 m²401.200 Euro3.400 Euro
D2024109 m²381.500 Euro3.500 Euro
E2026121 m²447.700 Euro3.700 Euro
F2025115 m²391.000 Euro3.400 Euro

Schritt 3, zeitliche Anpassung: Die Fälle aus 2024 werden mit der Indexreihe um 2 Prozent hochgerechnet, C auf 3.468 Euro, D auf 3.570 Euro.

Angepasste Reihe: 3.500, 3.600, 3.468, 3.570, 3.700, 3.400. Median: 3.535 Euro je Quadratmeter.

PositionWert
Median Preis je m²3.535 Euro
Wohnfläche des Bewertungsobjekts118 m²
Vergleichswert vor Anpassungen417.130 Euro
Zuschlag Stellplatzplus 12.000 Euro
Abschlag Heizung 24 Jahre altminus 15.000 Euro
Vergleichswertrund 414.000 Euro

Umrechnungskoeffizienten: der unterschätzte Teil

Kaum zwei Objekte sind identisch. Die Gutachterausschüsse veröffentlichen deshalb Umrechnungskoeffizienten, mit denen sich systematische Unterschiede ausgleichen lassen. Typische Beispiele:

MerkmalTypische Wirkung auf den Preis je Quadratmeter
Kleinere Wohnflächehöherer Preis je Quadratmeter
Größere Wohnflächeniedrigerer Preis je Quadratmeter
Erdgeschoss ohne GartenAbschlag
Dachgeschoss mit AufzugZuschlag
Dachgeschoss ohne AufzugAbschlag
Größere Grundstücksfläche bei ReihenhausZuschlag, aber unterproportional

Die Richtung ist meist intuitiv, die Höhe nicht. Genau dafür gibt es die regionalen Koeffizienten. Wer ohne sie rechnet, produziert schnell Abweichungen im fünfstelligen Bereich.

Häufige Fehler

  1. Angebotspreise statt Kaufpreise. Der klassische Fehler bei selbst recherchierten Vergleichen.
  2. Zu wenige Fälle. Drei Verkäufe sind eine Anekdote, keine Statistik.
  3. Keine zeitliche Anpassung. In einem bewegten Markt ist ein Verkauf von vor zwei Jahren ohne Indexierung wertlos.
  4. Ungleiche Objektarten gemischt. Altbau und Neubau in einem Mittelwert ergeben eine Zahl, die für keines der beiden gilt.
  5. Mittelwert statt Median. Ein einziger Ausreißer nach oben verzerrt das arithmetische Mittel spürbar.
  6. Besonderheiten doppelt gezählt. Wenn der Sanierungsstau schon im Vergleichspreis steckt, darf er nicht noch einmal abgezogen werden.

Warum unsere Onlineschätzung kein reines Vergleichswertverfahren ist

Ein echtes Vergleichswertverfahren braucht Zugriff auf Einzelkaufpreise mit Objektmerkmalen. Dieser Zugriff ist in Deutschland beschränkt, kostenpflichtig und je nach Bundesland unterschiedlich geregelt.

Die kostenlose Hauswert-Schätzung arbeitet deshalb mit den frei verfügbaren amtlichen Daten: Bodenrichtwerte für den Bodenanteil, Sachwertlogik für das Gebäude und der Häuserpreisindex des Statistischen Bundesamts für den regionalen Trend. Das Ergebnis ist eine Spanne, keine Punktzahl. Wir schreiben das offen hin, weil ein Rechner, der Vergleichswerte verspricht, ohne die Kaufpreissammlung zu kennen, mehr behauptet, als er weiß.

Für eine echte Vergleichswertbetrachtung braucht es einen lokalen Makler mit Marktkenntnis oder einen Sachverständigen mit Zugang zur Kaufpreissammlung.

Quellen und Stand

  • Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV) vom 14. Juli 2021, Paragrafen 24 bis 26
  • Baugesetzbuch (BauGB), Paragraf 195, Kaufpreissammlung, sowie Paragrafen 192 und 193 zu Gutachterausschuss und Aufgaben
  • Grundstücksmarktberichte der Gutachterausschüsse für Indexreihen und Umrechnungskoeffizienten

Stand: September 2026. Die Zahlen im Rechenbeispiel sind Beispielwerte und keine Marktaussage für eine konkrete Region.

Häufige Fragen

Wann wird das Vergleichswertverfahren angewandt?
Überall dort, wo es genug tatsächlich verkaufte, ähnliche Objekte gibt. Das sind vor allem Eigentumswohnungen, Reihenhäuser, Doppelhaushälften und unbebaute Grundstücke. Für Sonderimmobilien und individuell geplante Häuser fehlt die Datengrundlage.
Wie viele Vergleichsobjekte braucht man?
Eine feste Zahl schreibt die Immobilienwertermittlungsverordnung nicht vor, sie verlangt eine ausreichende Zahl geeigneter Vergleichspreise. In der Bewertungspraxis gilt eine einstellige Zahl als dünn. Je heterogener der Bestand, desto mehr Fälle braucht es, um Ausreißer auszugleichen.
Woher kommen die Vergleichspreise?
Aus der Kaufpreissammlung der Gutachterausschüsse. Nach Paragraf 195 Baugesetzbuch muss jeder Notar eine Abschrift jedes Kaufvertrags an den zuständigen Gutachterausschuss senden. Dort werden die Preise ausgewertet. Angebotspreise aus Immobilienportalen sind keine Vergleichspreise, weil sie nicht das Verhandlungsergebnis zeigen.
Was ist ein Vergleichsfaktor?
Ein vom Gutachterausschuss abgeleiteter Durchschnittswert, der eine Bezugsgröße mit dem Preis verknüpft, etwa Euro je Quadratmeter Wohnfläche oder ein Vielfaches der Jahresmiete. Paragraf 26 ImmoWertV erlaubt, statt einzelner Vergleichspreise einen objektspezifisch angepassten Vergleichsfaktor zu verwenden.
Kann ich die Preise selbst herausfinden?
Teilweise. Die Gutachterausschüsse veröffentlichen Grundstücksmarktberichte mit aggregierten Auswertungen, meist kostenlos oder gegen geringe Gebühr. Einzelne Kaufpreise aus der Kaufpreissammlung gibt es nur auf Antrag und bei berechtigtem Interesse, oft kostenpflichtig und ohne Adressen.

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