MeinHauswert24
Bewertung

Bewertungsmethoden

Sachwertverfahren: Wenn der Bauwert zählt

Das Sachwertverfahren ermittelt den Hauswert aus Bodenwert plus Gebäudeherstellungskosten minus Alterswertminderung. Standard bei Einfamilienhäusern und Spezialimmobilien.

Veröffentlicht · Lesedauer ca. 6 Min.

Was ist das Sachwertverfahren?

Das Sachwertverfahren ermittelt den Wert einer Immobilie aus drei Komponenten:

  1. Bodenwert (Bodenrichtwert × Grundstücksfläche)
  2. Gebäudewert (Herstellungskosten minus Alterswertminderung minus Mängel)
  3. Außenanlagen (Garten, Pflasterung, Garage)

Die Summe wird mit dem Marktanpassungsfaktor des Gutachterausschusses kalibriert, um sie an tatsächliche Marktpreise anzupassen.

Geregelt in ImmoWertV § 21 bis 23 und der Sachwertrichtlinie (SW-RL).

Wann nutzt man es?

Das Sachwertverfahren ist Standard bei:

  • Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften
  • Spezialimmobilien (Reithallen, Tankstellen, sehr alte Häuser)
  • Eigennutzung ohne Mieteinnahmen
  • Wenn nicht genügend Vergleichsobjekte vorhanden sind

Bei Eigentumswohnungen und Reihenhäusern bevorzugt man das Vergleichswertverfahren, bei vermieteten Objekten das Ertragswertverfahren.

Schritt-für-Schritt

1. Bodenwert

Bodenwert = Bodenrichtwert (€/m²) × Grundstücksfläche (m²)

2. Gebäudewert

Gebäudeherstellungswert = Bruttogrundfläche × Normalherstellungskosten (€/m²)
- Alterswertminderung
- Bauliche Mängel
= Gebäudewert

Die Normalherstellungskosten (NHK) kommen aus den NHK-Tabellen (zuletzt NHK 2010), je nach Gebäudetyp und Ausstattungsstandard. Sie werden mit dem aktuellen Baupreisindex von Destatis auf das Bewertungsjahr indexiert.

3. Alterswertminderung

Linear über die Gesamtnutzungsdauer (bei Wohngebäuden in der Regel 80 Jahre):

Alterswertminderung = (Gebäudealter / Gesamtnutzungsdauer) × Herstellungswert

Die Minderung ist auf maximal 70 Prozent gedeckelt. Modernisierungen können die Restnutzungsdauer verlängern.

4. Marktanpassung

Der rechnerische Sachwert wird mit dem Marktanpassungsfaktor der Gutachterausschüsse multipliziert. In begehrten Lagen liegt er oft über 1,0 (Sachwert wird hochgesetzt), in strukturschwachen Regionen unter 1,0.

Beispiel

Einfamilienhaus, Baujahr 1995, Hannover-Nordstadt:

KomponenteWert
Bodenrichtwert800 €/m²
Grundstücksfläche350 m²
Bodenwert280.000 €
Bruttogrundfläche220 m²
NHK (indexiert)2.300 €/m²
Herstellungswert506.000 €
Alter (30 Jahre / 80)-37,5 %
Gebäudewert nach Alter316.250 €
Außenanlagen12.000 €
Vorläufiger Sachwert608.250 €
Marktanpassungsfaktor0,95
Verkehrswert577.838 €

Wann das Verfahren ungenau wird

Das Sachwertverfahren ist eine Konstruktion: Es rechnet nicht aus tatsächlichen Marktpreisen, sondern aus Herstellungskosten. In sehr begehrten Lagen kann der tatsächliche Marktpreis deutlich darüber liegen, in strukturschwachen Regionen darunter.

Aus diesem Grund ist der Marktanpassungsfaktor entscheidend. Er ist regional unterschiedlich und wird von den Gutachterausschüssen veröffentlicht.

In unserer Bewertung berücksichtigen wir diesen Faktor durch den regionalen Markttrend des Häuserpreisindex.

Häufige Fragen

Wann nutzt man das Sachwertverfahren?
Bei Einfamilienhäusern und Sondergebäuden, für die nicht genügend Vergleichsobjekte vorhanden sind. Auch wenn die Eigennutzung im Vordergrund steht und keine Mieteinnahmen anfallen.
Was sind Normalherstellungskosten (NHK)?
Die durchschnittlichen Kosten, ein vergleichbares Gebäude heute neu zu errichten. Sie werden von Sachverständigen anhand der NHK 2010 (mit Indexierung) angesetzt.
Wie wird die Alterswertminderung berechnet?
Linear über die Standard-Gesamtnutzungsdauer (Wohngebäude 80 Jahre). Modernisierungen können das Restnutzungsdauer verlängern.

Verwandte Artikel

Lokale Bewertung

Hauswert in Ihrer Stadt ermitteln

Kostenlose Online-Schätzung mit lokalen Marktdaten und persönlicher Vor-Ort-Einschätzung durch einen Partner-Makler aus Ihrer Region.

Hauswert jetzt kostenlos schätzen