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Immobilie vermieten oder verkaufen? Die ehrliche Entscheidungs-Hilfe

Vermieten bringt langfristige Einnahmen, Verkaufen sofortige Liquidität. Welcher Weg passt zu Ihrer Situation? Mit Rechen-Beispielen und Entscheidungs-Hilfe.

Veröffentlicht · Lesedauer ca. 8 Min.

Die Grundsatzfrage

Sie haben eine Immobilie, die Sie selbst nicht (mehr) nutzen wollen. Vor Ihnen liegen zwei Entscheidungen:

  1. Vermieten: langfristige Einnahmen, Verwaltungsaufwand, Wertsteigerung möglich
  2. Verkaufen: sofortige Liquidität, kein laufender Aufwand, fixer Erlös

Beide Wege haben Vor- und Nachteile. Welcher passt, hängt von vier Faktoren ab:

  • Persönliche finanzielle Situation
  • Markt-Lage Ihrer Immobilie
  • Bereitschaft zur Verwaltung
  • Steuerliche Konsequenzen

Vermieten: die Argumente im Detail

Pro Vermietung

Langfristige Einnahmen. Eine 80m²-Wohnung in mittlerer Lage in Berlin bringt schnell 1.200 Euro Netto-Kaltmiete monatlich, also rund 14.400 Euro Jahresmiete brutto.

Wertsteigerung möglich. In Wachstumsregionen (Berlin, München, Hamburg, Frankfurt) sind 1-3 % Wertzuwachs pro Jahr historisch realistisch.

Steuerliche Vorteile. Mieteinnahmen unterliegen der Einkommenssteuer, aber:

  • AfA (lineare Abschreibung) 2-3 % jährlich vom Gebäudewert
  • Werbungskosten (Reparaturen, Hausgeld, Zinsen) voll absetzbar
  • Bei Verkauf nach 10 Jahren: gewinn steuerfrei

Inflation-Schutz. Sachwert, Mietsteigerungen oft mit Inflation gekoppelt.

Contra Vermietung

Verwaltungs-Aufwand. Etwa 5-15 Stunden pro Jahr und Wohnung bei guten Mietern, deutlich mehr bei problematischen.

Mieter-Risiko. Mietnomaden, säumige Zahler, Kündigungs-Verfahren über 6-18 Monate. Räumungsklage in Berlin: 8-12 Monate, Kosten 3.000-8.000 Euro.

Instandhaltungs-Risiko. Faustregel: pro Jahr 1-2 % des Gebäudewerts für Instandhaltung kalkulieren. Bei einer 400.000-Euro-Wohnung sind das 4.000-8.000 Euro jährlich, langfristig oft mehr.

Liquiditäts-Risiko. Bei Mietausfall oder unerwartetem Sanierungs-Bedarf braucht es Rücklagen.

Mietpreisbremse, Kappungsgrenze. In vielen Großstädten ist Mietsteigerung deutlich begrenzt. Der Verkehrswert steigt schneller als die Miete.

Verkaufen: die Argumente im Detail

Pro Verkauf

Sofortige Liquidität. Bei einem 400.000-Euro-Haus stehen nach Kaufnebenkosten-Abzug 380.000 Euro zur freien Verfügung.

Kein laufender Aufwand. Keine Mietersuche, keine Verwaltung, keine Sorgen über Heizungs-Defekte.

Diversifikation möglich. Die 380.000 Euro kann man auf verschiedene Anlageklassen verteilen (z.B. 60 % ETF-Aktien, 30 % Anleihen, 10 % Cash).

Klare Risiko-Position. Wer Aktien-Markt-Renditen kennt, weiß: 7-9 % brutto sind langfristig erwartbar. Bei Vermietung sind 4-6 % netto schon optimistisch.

Steuerfrei bei Selbstnutzung oder nach 10 Jahren. Wer das Haus selbst genutzt hat oder es länger als 10 Jahre besessen hat, zahlt keine Einkommenssteuer auf den Veräußerungsgewinn.

Contra Verkauf

Einmaliger Erlös. Wer das Geld unklug anlegt, verliert es. Vermietung "zwingt" zur langfristigen Geldanlage.

Verkaufs-Aufwand. 3-9 Monate Vermarktung, Maklerprovision (heute 50/50 zwischen Käufer und Verkäufer).

Inflations-Risiko. Cash auf dem Konto verliert real an Wert. Sachwert (vermietete Immobilie) ist inflationsgeschützt.

Gewerbliche Veräußerung. Wer in 5 Jahren mehr als drei Immobilien verkauft (sog. Drei-Objekt-Grenze), wird gewerblicher Grundstückshändler. Dann ist auch der Verkauf einer selbstgenutzten Immobilie steuerpflichtig.

Rechenbeispiel: 30 Jahre nach vorne geschaut

Angenommen Sie haben eine vermietete Wohnung in mittlerer Lage, Wert 400.000 €, Bruttomiete 14.400 € pro Jahr. Sie können 50.000 € Eigenkapital einsetzen, der Rest ist finanziert (3 % Zins, 30 Jahre Laufzeit).

Szenario A: Vermieten

  • Jahresmiete (Brutto): 14.400 €
  • Zinsen: 10.500 € (sinkend über 30 Jahre)
  • Tilgung: ~6.000 € (steigend)
  • Hausgeld + Instandhaltung: 4.500 € pro Jahr
  • Steuer (30 % auf Überschuss): ~ -400 € pro Jahr (in den ersten Jahren oft sogar Verlust)

Nach 30 Jahren:

  • Schuldenfrei
  • Mieteinnahmen (inflationsbereinigt) jährlich rund 18.000 €
  • Verkehrswert geschätzt (3 % p.a. Wachstum): 970.000 €
  • Vermögen total: 970.000 € + (30 × ~5.000 € durchschnittlicher Cashflow) = 1.120.000 €

Szenario B: Verkaufen und ETF-Sparplan

  • Erlös nach Maklerprovision (50 %): rund 388.000 €
  • 50.000 € Eigenkapital + 338.000 € Veräußerungsgewinn
  • Anlage in MSCI-World-ETF (7 % p.a. nach Steuern)

Nach 30 Jahren:

  • Vermögen: 338.000 € × 1,07^30 = 2,57 Mio. €

Aber: das Szenario B unterstellt 7 % Rendite netto, also nach Steuern und Kosten. Realistischer sind 5-6 %, dann bleibt 1,5-1,8 Mio. €.

Fazit aus dem Beispiel

In Wachstums-Märkten ist Vermietung profitabel, aber ETF-Sparen schlägt sie meist. Allerdings:

  • Mit Hebel (Finanzierung) wird Vermietung deutlich rentabler
  • Wer passiv investiert nicht kann, verliert beim Verkaufen oft mehr als der Vermietung
  • Inflation-Schock trifft Cash härter als Sachwert

Entscheidungs-Matrix

FrageWenn JA, eher vermietenWenn JA, eher verkaufen
Haben Sie laufenden Liquiditätsbedarf?neinja
Ist das Haus gut vermietbar (Lage, Zustand)?janein
Steht ein größerer Sanierungs-Aufwand an?neinja
Sind Sie nahe am Ruhestand?uneinheitlichuneinheitlich
Sind Sie risiko-avers?ja (Sachwert)nein (zur Diversifikation)
Wollen Sie Vermögen vererben?jauneinheitlich
Können Sie passive Geldanlage?neinja
Haben Sie Zeit für Verwaltung?janein

Steuerliche Sonderfälle

Selbstgenutzt → vermieten

Wenn Sie das Haus selbst genutzt haben und jetzt vermieten wollen:

  • AfA-Bemessungsgrundlage: Anschaffungs-Kosten (nicht aktueller Verkehrswert)
  • Steuerlich oft ungünstig, wenn das Haus stark im Wert gestiegen ist
  • Lösung: Verkauf an Familienmitglied + neue AfA-Basis (komplex)

Vermietet → Selbstnutzung

Wenn Sie eine vermietete Wohnung selbst nutzen wollen:

  • Steuerlich: Werbungskosten-Abzug fällt weg
  • Spekulationsfrist: bei Eigennutzung als Hauptwohnsitz im Verkaufsjahr + zwei vorherige steuerfrei

Vermietet → Verkauf

  • Innerhalb 10 Jahre nach Kauf: voll steuerpflichtig (Einkommenssteuer)
  • Nach 10 Jahren: steuerfrei
  • Selbst genutzt im Verkaufsjahr + 2 vorherige: steuerfrei

Praktische Schritte

  1. Aktuellen Wert ermitteln mit Online-Schätzung und 1-2 Maklergutachten
  2. Realistische Bruttomiete prüfen (Mietspiegel, Vergleichsobjekte)
  3. Sanierungs-Bedarf prüfen (Sachverständiger oder Gutachten)
  4. Steuerberater zu beiden Szenarien rechnen lassen
  5. Eigene Lebenssituation ehrlich einschätzen (Zeit, Geld, Risiko-Toleranz)
  6. Familie einbeziehen falls Kinder als Erbe relevant sind

Mein Fazit

Beide Wege können richtig sein. Für viele Eigentümer ist:

  • Vermieten sinnvoll, wenn die Lage Wachstum verspricht, der Zustand gut ist, Sie laufende Einkünfte schätzen
  • Verkaufen sinnvoll, wenn Sie Liquidität brauchen, das Haus sanierungs-bedürftig ist, Sie keine Lust auf Verwaltung haben

Die schlechteste Entscheidung ist meist, eine renovierungsbedürftige Immobilie ohne Plan zu vermieten. Sie verlieren dann Jahr für Jahr Geld an die Substanz.

Eine erste Orientierung über den aktuellen Wert Ihrer Immobilie liefert unsere kostenlose Online-Schätzung. Ein lokaler Partner-Makler kann Ihnen sagen, ob die Lage gut vermietbar ist oder eher Verkauf empfohlen werden sollte.

Wichtig: Diese Übersicht ersetzt keine individuelle Beratung. Für Ihre konkrete Situation suchen Sie einen Steuerberater und Vermögensberater auf.

Häufige Fragen

Was bringt mehr Geld langfristig: Vermieten oder Verkaufen?
Langfristig (20+ Jahre) bringt eine vermietete Immobilie meist mehr Gesamt-Ertrag (Miete + Wertsteigerung), allerdings mit Aufwand und Risiko. Der Verkauf bringt sofortige Liquidität und eine garantierte Rendite, indem man das Kapital z.B. in ETFs investieren kann.
Welche Rendite bringt Vermietung in Deutschland?
Brutto-Mietrendite typisch 3-5 Prozent vom Kaufpreis pro Jahr. Nach Kosten (Hausgeld, Instandhaltung, Mietausfall, Steuern) bleibt netto meist 2-3,5 Prozent. Hinzu kommt potenzielle Wertsteigerung, in Wachstumsregionen 1-3 Prozent pro Jahr.
Wann lohnt sich das Vermieten nicht?
Bei einer Bruttomietrendite unter 3 Prozent, hohem Sanierungsstau, schwacher Lage mit Leerstandsrisiko oder wenn man die Verwaltung selbst nicht mehr machen will. Auch wenn man das Geld zwingend braucht (Liquiditätsbedarf), ist Verkauf oft besser.

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